Das Zwiebelschalenprinzip

Unter Zwiebelschalenprinzip versteht man gemäss Wikipedia eine Zusammenstellung der Kleidung, bei der mehrere Kleiderschichten von unterschiedlicher Dicke und Material übereinander angezogen werden.
Dieses Prinzip kann auch beim Bühnenbild angewandt werden. Es gibt so viele wunderbare Stücke mit mehr als einem Schauplatz. Es wäre sehr schade, auf diese Stücke zu verzichten. Der Schwank der Schwänke "Pension Schöller" von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby ist ein klassisches Beispiel für einen 3-Akter mit drei verschiedenen Bühnenbildern. Die herrlich turbulente Komödie "En fatale Liebesbrief" von Harry Sturzenegger ist ein 3-Akter mit zwei verschiedenen Schauplätzen. Da der Schauplatz im 1. und 3. Akt derselbe ist, würde dies, wie bei der "Pension Schöller" auch, einen zweimaligen Umbau bedeuten. Anhand dieser zwei Beispiele soll gezeigt werden, wie diese Stücke mit nur einer Grundkulisse ohne Umbau inszeniert werden können. Auch hier sollte der Grundsatz "weniger ist mehr", wie unter Bühnenbild erläutert, angewendet werden.

Beispiel Pension Schöller

Der erste Akt spielt in einer Gartenwirtschaft, der zweite Akt in der Pension Schöller und der dritte Akt bei Klapproth zuhause. Von Beginn weg steht das Bühnenbild des dritten Aktes.

1. Akt
Für den ersten Akt stehen ganz vorne 3 runde Blechtische mit je drei Stühlen auf der Bühne. Diese sind nacht hinten abgegrenzt mit leichten weissen Stellwänden (Paravents) oder Vorhang. In der Mitte ist ein freier Durchgang für die Auf- und Abgänge. Es ist darauf zu achten, dass nur der Bühnenbereich vor diesen Stellwänden beleuchtet wird. Bei genügend grosser Vorbühne, kann dieser Akt auch vor dem Bühnenvorhang gespielt werden. Bei Aktende werden die Tische und Stühle weggeräumt und die Paravents entfernt. Schon steht das Bühnenbild für den zweiten Akt.

2. Akt
Für den zweiten Akt werden die Kulissen des dritten Aktes verwendet. Diese werden mit Vorhängen, Bildern und einzelnen Versatzstücken und entsprechender Möblierung zur plüschigen Pension Schöller verwandelt. Nur im dritten Akt benötigte Türen werden mit Vorhängen zu Fenstern, oder werden ganz abgedeckt (mit Vorhängen, einem Schrank etc). Bei Aktende werden diese Versatzstücke und das Mobiliar gegen solche für den dritten Akt augetauscht.

3. Akt
Die Kulissen stehen, wie eingangs erwähnt, bereits von Anfang an auf der Bühne. Durch Entfernen der Vorhänge, der Versatzstücke und dem Austausch der Möblierung und der Bilder aus dem zweiten Akt entsteht Klapproths Zuhause.

Beispiel "En fatale Liebesbrief"

In der turbulenten Komödie "En fatale Liebesbrief" von Harry Sturzenegger kommen zwei verschiedene Schauplätze vor. Im ersten und dritten Akt der Salon von Generaldirektor Inderbitzin, im zweiten Akt das zweifelhafte Hotel Aphrodite. Auch dieses Stück lässt sich mit nur einer Grundkulisse inszenieren. Zu Beginn des Stücks stehen bereits die Kulissen des zweiten Aktes mit komplett eingerichtetem Séparé.

1. Akt
Das Grundbühnenbild wird durch eine mobile Wand, die das Separé abdeckt, Bildern und Möbeln zum Salon von Inderbitzin.

2. Akt
Die seriösen Bilder und Möbel werden durch erotischere (z.B. rundes Plüschsofa) ausgetauscht. Die mobile Wand, die das sündige Separé abdeckt, wird entfernt. Dazu kommen verschiedene Versatzstücke, die dem Schauplatz die notwendige erotisch verruchte Atmosphäre verleihen. Durch eine entsprechende Beleuchtung wird die schummrig erotische Wirkung noch verstärkt.

3. Akt
Für den dritten Akt werden alle Bilder, Möbel und Versatzstücke wieder ausgetauscht, die mobile Wand wieder installiert, die Lichtstimmung des ersten Aktes aufgefahren und schon haben wir wieder den Salon von Inderbitzin.

 

Zusammenfassung

Dies sind nur zwei von vielen Möglichkeiten. Mit etwas Fantasie eröffnen sich uns noch ungeahnte weitere Mittel und Wege, das Problem mit mehreren Schauplätzen elegant zu lösen. Wenn wir uns nicht mehr durch mehrere Schauplätze abschrecken lassen, steht uns plötzlich eine ungeahnte Auswahl an herrlichen Stücken zur Verfügung.