Kulissenwände mit dem gewissen Dreh

Diese Seite will kein Bauplan für das Konstruieren von Bühnenbildern sein. Es fehlen deshalb auch jegliche Massangaben. Es geht hier vielmehr darum, ein paar Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man bei mehreren Schauplätzen Umbauten vermeiden kann.

Kantholz aus Fichten oder Kiefern und Pappelsperrholz ist das Material schlechthin um Kulissenwände herzustellen. Es lässt sich einfach bearbeiten, ist leicht und was für Amateurbühnen besonders wichtig ist, billig. Das Vorgehen ist einfach. Zuerst wird aus Kantholz ein Rahmen in der gewünschten Grösse mit Leim, Schrauben und 90° Winkeln aus gelochtem Stahlblech zusammengebaut. Wenn das Budget die Anschaffung entsprechender Maschinen erlaubt, empfielt sich für die Verbindung der Rahmenteile das Lamellosystem. Dieser Rahmen wird anschliessend mit 3mm Pappelsperrholzplatten beplankt. Dazu verwenden wir Weissleim und/oder Tackerklammern. Schrauben sind nicht ideal, weil die Schraubenköpfe sichtbar sind und vor dem Streichen mühsam abgedeckt werden müssen. Nachdem der Leim abgetrocknet ist, kann das Kulissenelement bemalt werden. Damit es sich nicht zu stark verzieht, empfielt es sich, auch die Innenseite zu streichen.

 

Kulissenvorsatz

Kulissen Vorsatz

Mit Kulissenvorsätzen kann mit wenig Aufwand, ohne Umbau und sehr schnell ein Schauplatzwechsel realisiert werden. Erst wird ein Rahmen, wie vorgängig beschrieben, hergestellt. Anschliessend wird unten eine Profilleiste aus Holz, Kunstoff oder Alu zur Aufnahme des Kulissenvorsatzes montiert. Oben wird eine Stiftschraube in den Holzrahmen geschraubt. Der Vorsatz selber ist eine bemalte Sperrholzplatte, wie wir sie für die Beplankung verwendet haben. Oben an der Vorsatzplatte befestigen wir Metallwinkel mit Loch, oder Bilderhaken. Anstelle von Winkel oder Haken, kann man oben am Kulissenelement und an der Vorsatzplatte Klettpunkte anbringen. Um nun den Schauplatz zu verändern, wird der Kulissenvorsatz unten in die Profilleiste und oben in den Stift eingeführt bzw. mit den Klettpunkten fixiert.

 

drehbare Kulissenwand

Drehbare Kulissenwände

Mit den drehbaren Kulissenwänden kann der Schauplatz in sekundenschnelle verändert werden. Basis sind wieder Kulissenwände, wie oben beschrieben. Nur werden beide Seiten des Rahmens beplankt und bemalt. In die Rahmen werden unten und oben zentral je ein Achsbolzen eingeschraubt oder eingepresst. Diese Bolzen lagern oben und unten im alles umgebenden Rahmen. Eine Kombination von drehbaren Kulissenwänden mit Kulissenvorsätzen erlaubt eine unendliche Anzahl von verschiedenen Bühnenbildern.
Solche drehbaren Kulissenwände wurden unter anderem beim "Wiener Sommernachtstraum" im Lustspielhaus Wien eingesetzt. Hier sind zwei Bühnenbilder, die mehrmals wechseln. Durch Drehen der Kulissenwände wird aus der Amtsstube der Zauberwald und umgekehrt.

 

Periakte

Periakten

Bereits im antiken Griechenland wurden Periakten für einen schnellen Szeneriewechsel eingesetzt. Periakten sind aufrecht stehende dreieckige Prismen. Jede der drei Seiten ist mit einer anderen Dekoration bemalt. Durch eine Achse, meist in der Bühne eingelassene Zapfen, konnten die Periakten gedreht werden. Mehrere Periakten nebeneinander gestellt wirken wie ein einziges homogenes Bühnenbild. Durch Drehen der einzelnen Periakte erfolgt, ohne Umbau, ein schneller unkomplizierter Wechsel des Bühnenbildes.

In der Telari-Bühne der frühen Renaissance wurde die Idee wieder aufgegriffen. Die Telari-Bühne bestand aus einem Prospekt im Hintergrund und bemalten Periakten auf beiden Bühnenseiten. Zwischen den einzelnen Periakten bestand ein Abstand für die Auf- und Abgänge der Akteure.

Heute erleben die Periakten bei den Raimundspielen 2006 in Gutenberg eine Renaissance. Bei Ferdinand Raimunds Zauberspiel „Die gefesselte Phantasie“ werden Periakten in Kombination mit Projektionen eingesetzt.

Diese dreieckigen Kulissenelemente erlauben auch Amateurbühnen das unkomplizierte Inszenieren von Theaterstücken mit mehreren Bühnenbildern.